Sôseki

Ich stieg auf schmalem Pfad bergan und dachte bei mir:

Wer nur der Vernunft folgt, eckt an. Wer in den Strom der
Gefühle hinausrudert, wird von ihm erfasst. Wer seinen Willen
durchsetzt, dem wird es bald zu eng. Es ist auf jeden Fall
schwer, in der Menschenwelt zu leben.

Wenn die Schwierigkeiten sich häufen, möchten wir in
eine ruhigere Wirklichkeit hinüberwechseln. Irgendwann
jedoch wird uns klar, daß das Leben überall schwer ist. Dann
entsteht Poesie, wird Malerei geboren.

Nicht Götter, nicht Dämonen haben die Menschenwelt
erschaffen, sondern Durchschnittsbürger wie die Nachbarn in
unserer Straße, die wir regelmäßig ihren Geschäften nach-
gehen sehen. Unsere Welt stammt von ganz normalen Sterb-
lichen ab, und wohl deshalb gibt es kein Land, in das wir hinü-
berwechseln könnten, denn dafür käme nur ein nicht
menschliches Land in Frage - ein solches wäre aber noch
schwieriger zu bewohnen.


Der Beginn des Romans "Das Grasskissen-Buch" von Natsume Sôseki.
Erschienen in der edition q, Berlin.
Abbildung: Das Portrait von Natsume Sôseki auf einer 1 000 Yen Note.
17.11.2007
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© Ulrich Görlich 2006 - 2008, aktualisiert am 1. Januar 2009