Das Jahrbuch 2 des Departements Medien & Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (ab August Zürcher Hochschule der Künste) hat der Studienbereich Fotografie im Februar herausgegeben. Die Kritiken an diesem Buch entzünden sich an der Frage der
"Welthaltigkeit". Es wird das Fehlen von dokumentarischen oder die gesellschaftlichen Verhältnisse darstellenden Fotografien bemängelt. Das wird fast immer nur konstatiert und kaum jemand fragt, warum es so ist.
Vielleicht hat Niklas Maak in seiner lesenswerten Rezension der Kunstbiennale in Venedig einige Stichworte dazu geliefert:
"Dicht am Politgruselkitsch sind daneben die zahllosen Dokumentarfotografien, in denen Kriegsruinen wie Designobjekte präsentiert werden; das zerbombte Haus ähnelt in der Hochglanzfotografie einer schicken Skulptur und kann als Beleg für stilbewusstes Interesse am Weltgeschehen reibungsfrei übers Sofa gehängt werden. Die Kunst, angetreten, um ästhetisch aufzurütteln und Dinge zu offenbaren, die anders nicht erfahrbar sind, macht so ihren Gegenstand zur Dekoration."
Und
"Angesichts von Themen wie Migration, Armut, politischer Korruption, Krieg und Terror ist die Kunst, die all das fassen und kommentieren will, seltsam form- und kraftlos; ein Gefühl, das sich auf die gesamte Biennale überträgt. Im Dokumentarismuselend fallen Arbeiten wie die des jung verstorbenen Jason Rhoades umso mehr auf, der die traurige Arsenale-Halle mit einer Art explodiertem Texmex-Mariachi-Puff zum Leuchten bringt - und als schockhaftes Grenzbild einer hysterisierten Welt zwischen Vereinigten Staaten und Mexiko ist Rhoades' Werk am Ende auch „politischer“ als die blasse Miserenabbildungskunst."
Niklas Maak, Bildersturm im Wasserglas,
FAZ 8. Juni 2007