Feuilletonisten

Müssen Feuilletonisten über das neue iPhone schreiben?
Nach der Vorstellung des iPhones von Apple auf der "macworld" waren in
allen Zeitungen Artikel über dieses neue Produkt zu lesen, auf den
Wirtschafts- und Technikseiten. Wo sonst. Positiv bis begeistert, versehen mit den berechtigten Fragen, ob das Gerät in der Praxis so funktioniert, wie es die Vorführung suggeriert und ob es sich angesichts des relativ hohen Preises am Markt durchsetzen kann.
Aber halt, da fehlt doch noch das Deutsche Haar in der Suppe!
Einfach GUT kann das doch nicht sein!
Natürlich nicht, wenn man das Gerät feuilletonistisch betrachtet:
" ... Ist das iPhone ausgeschaltet, so präsentiert sich der
Touchscreen, der fast die gesamte Vorderseite einnimmt, als
schwarzschimmerndes Nichts. Und genau so präsentiert sich auch das
Design: als Projektionsfläche. Schon der Minimalismus des iPod
zeichnete sich dadurch aus, dass sich auf ein milchig weisses Rechteck
mit Bildschirm und kreisrundem Klick-Wheel problemlos ein neues
Lebensgefühl projizieren liess. ...
Dank der wahrhaft alchimistischen Kunst des Marketing besteht auch das
neuen iPhone im Grund nicht aus Metall und Kunststoff, sondern aus
einem ganz anderen, magischen Stoff. Was es jedem, der es kauft,
verspricht, ist nicht, unterwegs besser telefonieren, schneller
Adressen finden oder leichter das Netz durchstöbern können. Seine
Botschaft lautet: Ich bin ein Zauberspiegel, und wenn du mich
berührst, dann berührst du die ganze Welt. ... "
Donnerwetter!
Den Herrn Thomas Wagner schätze ich sehr, aber warum
bleibt er nicht bei seinen Leisten und schreibt über den Beuys Block!
Wieso muss er über ein Gerät schreiben, dass er nicht einmal in
der Hand hielt; warum muss er sich pseudomodern bis pseudointellektuell darüber
auslassen?
Das haben weder er, wir, noch das iPhone verdient.
Thomas Wagner, Berühre die Welt, Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom
11. Janaur 2007
PS: Natürlich werde ich das iPhone kaufen. Nicht weil es Dinge macht,
die mein jetziges Sony-Ericsson 910 nicht kann, sondern weil das Sony
ästhetisch und vor allem von der Bedienung her eine Zumutung ist.
13.01.2007